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Wer archiviert das Web, und wie?

Die Archivierung von Webinhalten hatte für die meisten Trägerarchive der KOST bislang geringe Priorität. Neben Bedenken über die technische Komplexität der Aufgabe wurde vielfach eine gewisse Unklarheit über den Umfang der Aufgabe als Grund für die Zurückhaltung genannt. Ziel des KOST-Kolloquiums war es, hier im Austausch zwischen Bibliotheken und Archiven aus dem In- und Ausland mehr Klarheit zu schaffen.

In einem ersten Teil zeigten verschiedene Institutionen auf, unter welchem Blickwinkel sie das Thema in Angriff nehmen. Barbara Signori (Schweizerische Nationalbibliothek NB) berichtete einleitend über das Webarchiv Schweiz. Dieser führenden Initiative zur Webarchivierung in der Schweiz stellten Kerstin Brunner (StABS), Felix Stadler (StASG), Martin Akeret (StASH) und Krystyna Ohnesorge (BAR) in vier Kurzstatements den Stand der Überlegungen und Aktivitäten in einzelnen KOST-Trägerarchiven gegenüber. Ein Bericht aus dem Landesarchiv Baden-Württemberg (LA-BW, Johannes Renz) ergänzte diese im Umfang noch limitierten Vorhaben durch die Präsentation eines funktionellen Webarchivs in einem grossen staatlichen Archiv. Im zweiten Teil stellte Sara Aubry von der Bibliothèque nationale Française (BnF), einer der weltweiten Pionierinstitutionen, die im Rahmen des IIPC entwickelten Tools zum Web-Harvesting vor. Andere mögliche technische Vorgehensweisen präsentierte abschliessend Simon Scheurer (Qumram AG, Zürich).

Aus den vielen Erkenntnissen aus Präsentationen und Diskussion greifen wir drei heraus:
  • Die Archivierung von Webinhalten umgibt vielfach noch die Aura des Speziellen, vom archivischen Tagesgeschäft Losgelösten. Es muss jedoch unbedingt Ziel der Archive sein, archivwürdige Webinhalte in den gleichen Prozessen und mindestens teilweise mit den gleichen Werkzeugen zu behandeln wie alle digitalen Archivalien. Beispiele dafür sind die Bemühungen des BAR, im Rahmen seiner Machbarkeitsstudie zusammen mit dem EDA die relevanten Websites in den etablierten BAR-Prozessen zu archivieren, oder die Verortung der Webressourcen in der Archivtektonik und ihre Erschliessung im AIS durch das LA-BW.
  • Die Bibliotheken gehen bei der Webarchivierung einem Sammlungsauftrag nach, der je nach gesetzlichem Umfeld grösser oder kleiner sein kann: In Frankreich autorisiert das dépôt légal die BnF zur Archivierung der gesamten .fr-Domain sowie weiterer Websites aus Frankreich; die NB archiviert Websites aus der Schweiz gemäss einer kuratierten Auswahl. Während einzelne Archive wie das LA-BW teilweise ebenfalls Sammlungen anlegen, ist das eigentlich Archivische bei der Webarchivierung schwieriger zu fassen. Gemäss Punkt 1 oben sind auf Websites des Internets und Intranets der Verwaltung die gleichen Bewertungskriterien anzuwenden wie für das übrige Verwaltungsschriftgut. Was dies konkret bedeutet, und wo die Grenze zu dokumentarischer Sammlung genau liegt, ist bislang erst im Einzelfall entschieden worden.
  • Der vom IIPC propagierte und von vielen Gedächtnisinstitutionen angewendete Ansatz ist ein Harvesting der Webressourcen und eine Archivierung der Dateien in ihren Originalformaten. Für das offene und standardisierte Format HTML ergeben sich damit mittelfristig kaum Probleme, wohl aber für eingebettete Dateien, aktive und multimediale Inhalten. Ein Funktionalitätsverzicht durch Archivierung im PDF-Format ist deshalb unter Umständen angezeigt. Web-2.0-Ressourcen und interaktive Websites legen, wie von Qumram beschrieben, keine inhalts-, sondern eine transaktionsbasierte Archivierung nahe.

Dokumentation

2013-05-27_Kolloquium_Programm.pdf 82.17 KB
Programm
2013-05-27_Webarchivierung_PraesentationSignori.pdf 2.01 MB
Signori: Das Webarchiv Schweiz verbindet: Kompetenzen, Ressourcen und Websites
2013-05-27_Webarchivierung_PraesentationBrunner.pdf 105.71 KB
Brunner: Kurzstatement zum Stand der Web-Archivierung im Staatsarchiv Basel-Stadt
2013-05-27_Webarchivierung_PraesentationOhnesorge.pdf 1.04 MB
Ohnesorge: Webarchivierung BAR
2013-05-27_Webarchivierung_PraesentationRenz.pdf 1.88 MB
Renz: Keine Angst vor der "Schlange" - das Landesarchiv Baden-Württemberg als Partner des Webarchivs BOA
2013-05-27_Webarchivierung_PraesentationAubry.pdf 1.96 MB
Aubry: Des outils pour archiver le Web : l'expérience de la Bibliothèque nationale de France
2013-05-27_Webarchivierung_PraesentationScheurer.pdf 2.98 MB
Scheurer: Web 3.0 und Langzeittauglichkeit

Letzte Änderung: 2013/06/18 - © kost-ceco
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