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Audioformate: Einleitung

Audiodaten enthalten Informationen, die durch das menschliche Ohr wahrgenommen werden sollen. Wie bei allen audiovisuellen Daten stellt sich die Frage nach der Datenkompression : Audiodaten in CD-Qualität beanspruchen 172 kB/s Speicherplatz. Kompressionsalgorithmen wie MP3 können diese Grösse auf etwa 10% reduzieren. Damit stehen die Archive vor dem bekannten Dilemma, dass unkomprimierte Dateien übermässig Speicherplatz brauchen, verlustbehaftet komprimierte Dateien aber auf lange Frist Probleme mit dem Datenverlust verursachen. Verlustfreie Kompressionsalgorithmen für Audiodaten existieren, haben sich aber noch nicht durchgesetzt. Zukünftige Versionen dieses Katalogs werden ihnen ausführlicher Rechnung tragen müssen.
Wie bei Videoformaten muss auch bei Audioformaten zwischen dem Container und den eigentlichen Audiodaten unterschieden werden. In der Regel werden aber ein Container und eine spezifische Codierung der Audiodaten (Codec) unter einem Namen zusammengefasst.
Zu beachten gilt es zudem, dass mit einem Audioformat auf keine Weise die Qualität der Audiodaten festgelegt ist. Klar ist einzig, dass durch den Einsatz von verlustbehafteter Komprimierung ein Teil der ursprünglichen Qualität verloren geht. Das Archiv sollte bei Neuaufnahmen und bei Digitalisierungsprojekten unbedingt auf eine entsprechende Qualität achten. Bei Übernahme von digitalen Audiodaten lässt sich an der Qualität im Nachhinein nichts mehr ändern, es können allenfalls Verbesserungen für die Benutzung realisiert werden (Rauschunterdrückung etc.).

Untersuchte Formate

Empfehlung

  • Für die Archive empfiehlt es sich, vorläufig die anfallenden Audiodateien unkomprimiert abzulegen. Dafür kann das weit verbreitete WAV-Format (RIFF WAVE) verwendet werden. Wenn sich ein verlustfrei komprimiertes Audioformat durchgesetzt oder wenigstens eine gewisse Verbreitung gefunden hat, wird sich dieses als Archivformat aufdrängen. Als Kandidat kommt der ISO-Standard MPEG-4 Audio Lossless Coding ALS (ISO/IEC 14496-3:2005/Amd 2:2006) in Frage. Falls dem Archiv Audiodaten in komprimierter Form angeboten werden, z.B. im MP3-Format, macht eine Konvertierung in WAV jedoch keinen Sinn. Der Informationsverlust ist nicht mehr rückgängig zu machen; es ist in einem solchen Fall besser, das komprimierte Format zu akzeptieren und eine Konvertierung in das bevorzugte Format erst am Ende des Lebenszyklus des Formats vorzunehmen. Allerdings setzt dies ein aktives Monitoring des Lebenszyklus voraus.
  • Qualität (Abtastrate und Sampletiefe): Bei der Übernahme von Audio-CDs sind eine Abtastrate von 44,1 kHz, bei DAT 48 kHz, und eine Sampletiefe von 16 Bit vorgegeben. Beim Digitalisieren älterer analoger Datenträger ist eine höhere Qualität sinnvoll; Memoriav und die Schweizerische Nationalphonothek empfehlen hier 96 kHz und 24 Bit. Bei neu erstellten Audioaufnahmen ist in der Regel die Qualität durch die Produktionsumgebung vorgegeben.

Literatur

Müller, Rudolf; Cirio, Yves
"Memoriav Empfehlungen Ton" (v.a. Glossar)
November 2008, Aktualisierung November 2014
http://memoriav.ch/wp-content/uploads/2015/02/Empfehlungen_Ton_de.pdf
IASA-TC 3
Die Bewahrung von Schallaufnahmen. Ethische Aspekte, Prinzipien und Strategien
2005
http://www.iasa-web.org/sites/default/files/downloads/publications/TC03_German.pdf
IASA-TC 4
Guidelines on the Production and Preservation of Digital Audio Objects
2009
http://www.iasa-web.org/audio-preservation-tc04
nestor-Informationsblatt 08
Langzeiterhaltung digitaler Daten in Museen, Digitale Tondokumente, 2009
http://files.dnb.de/nestor/sheets/08_audio.pdf

Version 5.1, Dez. 2017 - last update: georg.buechler - Thu, 30 Nov 2017 [08:01:32]