Katalog archivischer Dateiformate Version 5.1, Dez. 2017

FFV1


Kategorie

Videoformate

Abkürzung

FFV1 oder FFmpeg Videocodec 1
.mkv
(FFV1-Datenstrom wird in der Regel in einem Matroska-Container verpackt)
fmt/569

Titel

FFV1 Video Codec

Versionen

aktuelle Version: 3 (2005)
vorhergehende Versionen: 1 (2003), 2 (2005)

Beschreibung

FFV1 oder FFmpeg Videocodec 1 ist ein verlustfreier Intra-frame-Videocodec (d.h. jedes Einzelbild wird komprimiert), der speziell für die Archivierung entwickelt wurde.

Er ist Teil der freien Codec-Sammlung libavcodec des Projektes FFmpeg und wurde von Michael Niedermayer entwickelt. FFV1 verwendet variable Lauflängenkodierung und arithmetisches Kodieren für die Komprimierung und ist damit recht ähnlich zu H.264/AVC. Er erreicht ähnliche Komprimierungsraten wie verlustfreies MJPEG2000 bei wesentlich bescheidenerem Rechenaufwand.

FFV1 ist ein reiner Bildcodec, Ton wird separat als WAV im Matroska-Container untergebracht. FFV1 unterstützt unterschiedliche Bildformate und Farbtiefen ohne Farbunterabtastung, zudem mehrere Farbräume (intern YCbCr für YUV-Daten und JPEG 2000 RCT für RGB-Daten).

Bewertung



Offenheit: 3

Das Format ist offengelegt, aber noch kein internationaler Standard, eine Standardisierung durch die Internet Engineering Task Force (IETF) ist geplant. Die Spezifikation wird von FFmpeg gepflegt.

Lizenzfreiheit: 4

Das Format ist in der Public Domain und explizit lizenzfrei.

Verbreitung: 1

FFV1 ist noch wenig verbreitet.

Funktionalitaet: 3

Gemessen an den Anforderungen an ein verlustfreies Archivformat ist FFV1 sehr funktional und verlangt verglichen mit MJPEG2000 erheblich weniger Rechenleistung.

Implementierung: 2

FFV1 ist Teil der freien Codec-Sammlung libavcodec des Projektes FFmpeg. Es existieren Player für PC, Mac, Linux und Android.

Speicherdichte: 2

FFV1 erreicht ähnliche Komprimierungsraten wie verlustfreies MJPEG2000.

Verifizierbarkeit: 3

Durch Anwenden des FFV1-Codec auf den Videostream lässt sich die korrekte Codierung verifizieren. Fehlertoleranz und automatisches Recovery in der Decodersoftware schwächen aber die Aussagekraft dieser Verifizierung. Es besteht jedoch zusätzlich die Möglichkeit einer Einzelframevalidierung über entsprechende eingebettete Hashwerte.

Komplexitaet: 3

Durch das Fehlen von Inter-frame- und Wavelet-Komprimierung ist die Komplexität relativ geringer.

Selbstdokumentation: 3

Technische Metadaten für das Lesen der Datei sind jeweils im Frame Header eingebettet.
Es besteht die Möglichkeit, CRC-Checksummen in den Videodatenstrom einzubetten.

Best Practice: 2

Etliche Archivinstitutionen bezeichnen FFV1 als bevorzugtes Archivformat und wollen das Format künftig einsetzen.

Perspektive: 4

Die Perspektive ist im Prinzip gut, da das Format aus einem Archivhintergrund kommt. Es wird aber von keinem der Markführer im Bereich Video unterstützt.

Formatklasse: D

Es handelt sich noch um ein neues, speziell für die Archivierung entwickeltes Format.


Fazit

Wegen seiner Vorteile gegenüber anderen Videoformaten (verlustfreie Intra-frame-Kompression und offene Spezifikation) kommt FFV1 auf jeden Fall als Archivformat für Videodaten in Frage. Die Verbreitung und damit die Erfahrung mit dem Format sind heute aber noch sehr eingeschränkt. Allerdings ist die FFmpeg-Community sehr lebendig; insofern ist noch einiges im Hinblick auf Anwendungsfälle ausserhalb der Archive zu erwarten.

Referenz

FFV1 Video Codec Specification
http://www.ffmpeg.org/~michael/ffv1.html

Literatur

Library of Congress, Sustainability of Digital Formats: FF Video Codec 1
https://www.loc.gov/preservation/digital/formats/fdd/fdd000341.shtml
Wikipedia Artikel zu FFV1
https://en.wikipedia.org/wiki/FFV1

Verbindungen

MPEG-4

last update: georg.buechler - Wed, 06 Dec 2017 [10:09:11]
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