Katalog archivischer Dateiformate Version 5.1, Dez. 2017

MJPEG2000


Kategorie

Videoformate

Abkürzung

MJPEG2000
.mjp2, .mj2
video/mj2
fmt/337

Titel

Motion JPEG 2000 (Joint Picture Experts Group)

Versionen

aktuelle Version: 1 (2001, publiziert 2002 als Standalone-Version, 2003 als Ausprägung des zugrunde liegenden Formats JPEG2000)

Beschreibung

MJPEG2000 ist im Teil 3 des JPEG2000-Standards definiert als Sequenz von JPEG2000-Bildern. Der Standard umfasst verlustlose spatiale Datenkompression. Durch den Verzicht auf temporale Datenkompression wird das Risiko des Informationsverlusts gesenkt, dafür eine geringere Speicherdichte in Kauf genommen.
Analog zu JPEG2000 umfasst MJPEG2000 eine Variante mit verlustfreier Kompression um den Faktor 2 (vergleichbar mit FFV1) und eine verlustbehaftete Variante mit einer Kompression um den Faktor 10, wie sie im Digital Cinema Package (DCP) eingesetzt wird. Diese Variante wird in der Regel als visually lossless bezeichnet, weil im Endprodukt im Kino optisch kein Verlust wahrnehmbar ist. DCP ermöglicht den Schutz der Inhalte mit Digital Rights Management (DRM).
Die beiden Varianten müssen in der Bewertung als unterschiedliche Formate betrachtet werden und sind in der Bewertungsmatrix auch so dargestellt

Bewertung



Offenheit: 4

MJPEG2000 ist als ISO-Standard offen dokumentiert.

Lizenzfreiheit: 3

Auf die JPEG2000-Suite bestehen diverse Patente; die Patentinhaber haben sich jedoch darauf verpflichtet, den Standard gebührenfrei zu halten. Nicht ausgeschlossen werden kann hingegen das Auftauchen noch unbekannter Patentansprüche.

Verbreitung: 1 (lossless) / 3 (DCP)

MJPEG 2000 wird bislang wenig verwendet, auch nicht im Broadcast-Bereich, ist aber durch die Integration in Digital Cinema Packages (DCPs) im Filmbereich wichtig.

Funktionalitaet: 3 (lossless) / 2 (DCP)

MJPEG 2000 wird wegen der Möglichkeit, verlustfrei zu komprimieren, seit längerem als Ausweg aus dem Dilemma der digitalen Videoarchivierung gehandelt. Dieses besteht aus dem Problem der untragbaren Aufbewahrungskosten riesiger Datenmengen einerseits und höher eingeschätzten Risiken (und archiv-ethischer Widerstände) bei verlustbehafteter Komprimierung.

Implementierung: 2

Es existieren erst wenige Implementierungen für MJPEG2000.

Speicherdichte: 2 (lossless) / 3 (DCP)

Durch die Datenkompression kann die Speicherdichte zwar gegenüber unkomprimiertem Video erhöht werden, allerdings nicht so sehr wie bei vergleichbaren, verlustbehaftet Interframe-komprimierten Formaten.

Verifizierbarkeit: 3

Durch Anwenden eines entsprechenden Codec auf den Videostream lässt sich die korrekte Codierung verifizieren. Für die Übertragung eingebaute Error correction -Mechanismen erleichtern die Überprüfung, Fehlertoleranz und automatisches Recovery in der Decodersoftware schwächen aber die Aussagekraft dieser Verifizierung. Es besteht aber zudem die Möglichkeit einer Einzelbildverifizierung mit spezieller Software.

Komplexitaet: 2

MJPEG2000 verwendet keine temporale Komprimierung, was die Nachbearbeitung vereinfacht.

Selbstdokumentation: 3

Metadaten werden im Format unterstützt.

Best Practice: 2 (lossless) / 1 (DCP)

Das Format wird von mehreren archivischen Institutionen als Video-Archivformat empfohlen. Das Format erfordert aber eine sehr leistungsfähige IT-Infrastruktur und ist aus diesem Grund bis heute im Archivwesen nur bei wenigen grossen Institutionen in Gebrauch.

Perspektive: 3

Zusammen mit der JPEG2000-Suite ist auch MJPEG2000 möglicherweise erst am Anfang seiner Entwicklung und hat zweifelsohne ein grosses Potential.

Formatklasse: D (lossless) / B (DCP)

MJPEG2000 muss in seiner verlustfrei komprimierten Version immer noch als potentielles Format gelten, ist aber in der DCP-Ausprägung im Filmbereich etabliert.


Fazit

Wegen seiner Vorteile gegenüber anderen Videoformaten, insbesondere der verlustfreien, spatialen Kompression, kommt MJPEG2000 auf jeden Fall als Archivformat für Videodaten in Frage. Hingegen ist zu beachten, dass die Datenmenge rasch grosse Ausmasse (im Terabyte-Bereich) annimmt. Das grundsätzliche archivische Dilemma zwischen Speicherkosten und Informationsbewahrung zeigt sich hier in exemplarischer Form.
Bei der Übernahme von DCP-Dateien muss sich das Archiv vergewissern, dass diese nicht durch DRM geschützt sind.

Referenz

ISO/IEC 15444-3:2007: Information technology — JPEG 2000 image coding system: Motion JPEG 2000
https://www.iso.org/standard/41570.html
[kostenpflichtig]
Vorversion (Final Committee Draft) kostenfrei erhältlich unter
http://www.hlevkin.com/Standards/fcd15444-3.pdf
D. Singer, R. Clark, D. Lee, MIME Type Registrations for JPEG 2000 (ISO/IEC 15444)
http://www.rfc-editor.org/rfc/rfc3745.txt

Literatur

The JPEG Committee Home Page
JPEG 2000
http://www.jpeg.org/jpeg2000/index.html
Fleischhauer, Carl, et al.
Moving Image Format Documentation Project: Background Paper.
Federal Agencies Audio-Visual Digitization Guidelines Working Group, 2010
http://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/FADGI-AV_AppSpecProj_Bkgd_101007.pdf
Pearson, Glenn; Gill, Michael
An Evaluation of Motion JPEG 2000 for Video Archiving
Proc. Archiving 2005 (April 26-29, Washington, D.C.), IS & T
https://lhncbc.nlm.nih.gov/system/files/pub9302.pdf

Verbindungen

JPEG2000
last update: georg.buechler - Wed, 06 Dec 2017 [10:12:35]
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